Schlechte Ernährung in den ersten Lebensjahren

Hallo zusammen,

ich habe in mein Umfeld ein liebes Kleinkind kennengelernt.
Das Kind ist jetzt ca. 3 Jahre alt.
Mit ca. 1,5 Jahren bekam dieses Kleinkind bereits Eis, Süßigkeiten und ungesunde Lebensmittel (m.E. Riegel, mit viel Zucker bsp. u. ähnliches). Morgens beginnend mit Brötchen und Fruchtzwergen, Kuchen und Eis - als Getränk wird oft Saft bestellt.

Da ich aktuell selbst schwanger bin und einfach irritiert bin - frage ich mich, ob ich überhaupt zukünftig das Essverhalten meines ungeborenen Kindes wirklich selbst steuern kann.

Gibt es Eltern, die Tipps haben auf was man achten sollte ?
Buchtipps sind natürlich auch gerne gesehen. Natürlich sind eure Erfahrungen für mich Goldwert.

Schönen Abend euch und danke erstmal für eure Zeit.

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Hm. Irgendwie haust du da zwei Sachen durcheinander die ich getrennt sehe.

Unser Lütt bekam schon mit einem Jahr normalen Kuchen, Eis. Ab und zu mal und wir wurden dafür auch schon derbe angemacht in der Öffentlichkeit. Aber ob ein Kind sich gesund ernährt hängt nicht vom "Zuckereinstiegsalter" ab. Oder vielleicht sogar eher je früher desto besser wenn man Regeln beachtet.

Wir haben auf Anraten der Klinikärzte und -Pfleger (haben eine lange Krankenhausgeschichte) eigentlich alles anders gemacht als man es heute so immer empfiehlt. Wir begannen die Beikost nach ein paar Versuchen mit Gemüse mit Obstbrei. O-Ton Pflegerin als ich sagte "aber dann gewöhnen sie sich doch an den Geschmack und wollen nur das süsse Obst essen, man muss doch mit Gemüse anfangen?" - "Also ich hab 3 Kinder und ich kenne keinen Vierjährigen der in einer Wirtschaft auf die Frage ob er Schnitzel mit Pommes will sagt "Nein, ich mag lieber einen Apfel" :-)" Und was soll ich sagen, so ist es. Unser Kind ass also zuerst Obst-Getreidebrei mit großem Appetit obwohl alle in unserem Umfeld die Augen rollten, dann flutschte es auch mit den Gemüsebreien. Wir boten im ersten Jahr alles an, auch Avocado (ist in Südeuropa ein beliebtes Babyessen wegen den Omega-Fettsäuren), Mango, Khaki, Süsskartoffen, ... Er futterte mit einem Jahr in den Alpen begeistert in jeder Käserei die wir besuchten sein Stück Probierkäse das meist so üppig ausfiel dass er im Auto dann "Fromage et fruits" futterte. Wir ernähren uns eigentlich sehr bewusst, sehr viel Obst und Gemüse, holen uns auch oft vom Biobauern die Wochenkiste wo alles drin sein kann, nur 2 max 3 mal Fleisch, süsses in Maßen, und der Zwerg fällt überall auf durch seine gesunde Ernährung. Auch Fastfood hat er relativ bald kennengelernt im Vergleich zu Gleichaltrigen, da wir so 4-6 mal im Jahr lange Autobahnfahrten machen gab es da meist als Besonderheit das bekannte Fast Food, ich glaube mit 2 hat er schon das erste Mal da diniert. Wir waren vor wenigen Wochen auf so einer langen Autobahnfahrt in einem Frischemarkt und wollten eigentlich nur Obst und was zu Trinken kaufen und dann mit dem mittleriweile 8-Jährigen wie immer ins "Goldenen M" ... der läuft an so einer Salatbar vorbei und meint "Ach Mama, ich will gar nicht Mc Donalds, ich will mir lieber so einen tollen Salat machen". Sprach es und packte sich die Schüssel voll. Da werden wir dann auch in aller Öffentlichkeit angesprochen wie man so ein Kind erzieht :-)

Obwohl es in der Stadt häufig ein Eis gibt, (kommen da so alle 1-2 Monate hin) hat er ein gesundes Verhältnis zu Süssigkeiten, weil es eben zu Hause nicht jeden Tag Süsses gibt - wenn man vom selbstgemachten Obstaufstrich mit 1:3 Zucker absieht. Wichtig ist finde ich dass Süsses Süsses bleibt und nicht ne Mahlzeit ersetzt. Das ist genau das Problem beim Fruchtzwerg zum Frühstück, warum keinen Naturjogurt mit Obstich überlege gerade ober mit 8 Jahren überhaupt Fruchtzwerge kennt. Wir machen unser Müsli selbst, unseren Fruchjogurt, unsere Marmelade mit Extra wenig Zucker ...Ich denke das ist das Entscheidende, nicht in welchem Alter man das erste Eis isst, sondern ob es das täglich gibt oder gar Mahlzeiten ersetzt.

Ich denke entscheidend ist der Alltag und wie man es als Familie vorlebt.

Alles Gute für die Schwangerschaft!

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Ach und eine lustige Geschichte noch: Als er mit 2,5 Jahren in den Kindergarten eingewöhnt wurde gab es da die tägliche "Obstpause". Ich fragte noch als er das erste Mal da mitessen sollte ob ich nicht etwas Obst und Gemüse beisteuern soll (ich kenn ja mein Kind), da lachte mich die Erzieherin fast schon gutmütig aus und meinte nene, das bisschen das der Kleine wohl isst haben sie locker übrig ... als ich ihn dann Mittags holte nahm sie mich zur Seite und fragte reuhmütig sie habe sich getäuscht, ob mein Angebot noch was nachzukaufen noch bestünde #rofl

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Du sagst, du fragst dich, ob du die Ernährung überhaupt selbst steuern kannst. Ja, kannst du. Aber ich finde, es erfordert teilweise Disziplin und einen langen Atem.

Da mein Mann und ich beide leider zum Übergewicht neigen und ständig aufpassen müssen, was wir essen, wollen wir unseren Sohn (19 Monate) gerne von Anfang an daran "gewöhnen", dass zu jeder Mahlzeit "etwas Grünes" gehört, dass Spaghetti, Reis und Brötchen dunkel sind und dass es Wasser (oder ab und zu Sprudel) zu Trinken gibt. Süßigkeiten kennt er noch nicht und das darf auch gerne noch ein bisschen so bleiben. Obst bekommt er aufgrund seiner Neurodermitis nur selten, Weizenprodukte ebenfalls.

Hört sich gut an, oder? Njaa, für die Großeltern eher nicht. Da waren schon mehrere Ansagen bezüglich Eis und Kuchen nötig. Neulich ist die Situation dann eskaliert, als meine Schwiegermutter Kekse aus der Schublade gezaubert hat mit den Worten "Du musst doch nicht immer nur Reiswaffeln essen." Tja. In den Keksen waren Nüsse, auf die unser Sohn hochallergisch reagiert. Wir konnten gerade noch dazwischen gehen.
Mein Mann hat nun eine klare Ansage gemacht: unser Sohn bekommt nichts, aber auch wirklich nichts mehr zu Essen, das nicht von uns mitgegeben oder "freigegeben" wurde.

Du siehst, die Ernährung deines Kindes hast du schon in der Hand - aber das Umfeld spielt vielleicht ebenfalls eine Rolle dabei. Ob und wie du darauf reagieren kannst und möchtest, ist die andere Frage.

Ich wünsche dir alles Gute! 🍀

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Wir versuchen das Essen so wenig emotionsbehaftet zu machen wie möglich. Die meisten Essprobleme kommen ja nicht dadurch, weil die Person nicht weiß, was „gesund“ und „ungesund“ ist und was Kalorien sind, sondern weil mit Essen ein negativer emotionaler Druck verbunden ist. Diese Emotionalität vermeiden wir im Zusammenhang mit Essen und Gewicht.

Das Kind isst aus Eigenantrieb, weil es Hunger hat. Es bekommt in erster Linie frische, leckere Sachen.

Unsere Kleine ist 14 Monate, isst also noch keine Süßigkeiten. Sie dürfte aber dran, wenn sie noch etwas älter wird. Wenn Oma / Opa ihr welches geben oder sie sonst unterwegs ist und welchen bekommt, soll sie es essen, wenn sie mag, wir lassen es unkommentiert.

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Total schöne Einstellung. So möchte ich das auch mal handhaben. :-)

Ich halte nichts von dogmatischer Erziehung, auch nicht beim Essen.
Meiner Erfahrung nach können sich meist die Kinder/Teenies/Erwachsenen nicht bremsen bei Zucker und "ungesunden" Lebensmitteln, denen es in der Kinderheit geradezu dogmatisch verwehrt wurde, oder bei denen etwas Leckeres allenfalls als "Belohnung" ausgegeben wurde.

Alles in Maßen. In unpassend großer Menge ist so gut wie nichts "gesund".

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Hallo,
ich habe drei "große" Kinder.
Beim ersten hab ich mich an alle Vorgaben gehalten und ziemlich viele Verrenkungen bezüglich Ernährung gemacht. Kein Zucker, wenig Salz, viel Gemüsebrei, kaum Gluten, wenig verschiedene Lebensmittel (WG Allergien, obwohl hier niemand allergisch ist...)usw.
Er ist der von den dreien, der extrem mäkelig ist und ein schlechter Esser dazu. Seit ein, zwei Jahren (er ist jetzt 19) bessert sich das etwas. Er hat es einfach alles neue verweigert. Kind 2 und 3 sind beim Essen eher mitgelaufen. Es gab auch Mal was Süsses, selten natürlich und ich habe sie sehr bald bei uns mitessen lassen, den Jüngsten ab ca 7Monaten. Natürlich hab ich mich ein bisschen angepasst, nicht so salzig, nicht scharf usw.
Die beiden sind "Allesesser". Mag auch Veranlagung sein, aber ehrlich gesagt glaube ich schon, dass das Essverhalten meines großen Sohnes mit der "Anfangsernährung" zu tun hat.
Wie die Empfehlung heute ist, weiss ich ehrlich gesagt nicht. Ich habe aber die Erfahrung, je abwechslungsreicher um so besser und würde mich nicht mehr an so dogmatische Vorschriften halten, solange das Kind gesund ist.

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Kurz und knapp für ALLE Baby- und Erziehungsfragen:
ZU VIEL IST ZU VIEL ---- GAR NICHT ist nicht gut und fällt einem irgendwann in den Rücken.

Bei allem sollte man nicht in Exteme verfallen. Dann fährt man ganz gut.
Ob das mal ein Muffins oder Riegel oder Saft mittags ist ab und zu --- oder "nur die Mama kann das Kind ins Bett bringen" --- Bis hin zu: nicht nur einer macht ausschliesslich diese Aufgabe, sondern beide Elternteile oder halt eben auch mal was Süsses: es ist ja auch ein Unterschied ob man einen Muffins selbst backt mit fast keinem Zucker dafür Banane. In unser Pfannkuchen Rezept kommt auch kein Zucker. -- aber auf EINEN Nutella drauf: gerne... die anderen sind dann herzhft mit Gemüse Speck oder Schinken oder Marmelade. Das war im Kindergartenalter schon so und ist bis heute geblieben.
EInmal am Tag einen Süssen Brotaufstrich: okay. --- die anderen Portionen halt was anderes.

Alle Extreme machen Probleme. Mit dem Kind. Mit dem Partner. Mit dem ganzen Familienleben und Haushalt. -- das ist ein guter Hinweis. Dazu gehört: Zeit für DIch. Zeit für den Papa. Zeit für Euch genauso wie ein guter mix an allem Essen oder auch unpädagogisch dem Handygedallel, wenn man mal eine wichtige Videokonferenz machen muss.

Das Maß machts.

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achja -- kleine Geschichte: mein Sohn z.B. geht gerne an den Kühlschrank und holt sich eine SCheibe Lyoner oder Salami und mag sein essen lieber salzig oder krass gewürzt.
Die Tochter geht lieber an den Süssigkeitenschrank und isst lieber Süsser. -Beide sind gleich aufgewachsen, haben das gleiche gegessen... es ist einfach zum Teil auch Typsache.

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Was heisst den "bekam dieses Kleinkind bereits XY"? Ab und zu z.B. an Geburtstagen, mal bei den Grosseltern ein Stück Kuchen, mal zum Wochenende Nachtisch? Oder als Ersatz für andere Mahlzeiten? Bei unserer Tochter hat es sich selbst reguliert, sie nimmt vielleicht einmal oder zweimal pro Woche zwei kleine Smarties aus einer Packung, wir sehen keinen Bedarf, dort ein Fass aufzumachen, wo eigentlich alles ok ist. Der Neffe meiner Frau kriegt dagegen dem Vernehmen nach nichts Süsses, die Eltern sind sehr dahinter. Was sich nun bewährt, wird sich zeigen. Meine persönliche Meinung ist ja, dass sich Kinder schlussendlich in einer Welt zurecht finden müssen, wo sie Dinge selbst regulieren können müssen, spätestens dann, wenn sie sich von ihrem Gehalt quasi unlimitiert Süssigkeiten kaufen könnten. Ich bin deshalb in den meisten Fragen gegen strikte Methoden, sondern dafür, dass man den Kindern eine vernünftige Dosierung beibringt und vorlebt.

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Danke für eure zahlreichen Antworten. :)
Ich werde eure Tipps im Hinterkopf behalten und freue mich auf die kommende Zeit.

Ich persönlich bin sehr dankbar für eure ehrlichen Antworten und das ihr eure Erfahrungen schildert.

Habt alle ein tolles Wochenende !

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https://www.klinikum-bochum.de/fachbereiche/kinder-und-jugendmedizin/forschungsdepartment-kinderernaehrung.html

Viele praktische Tipps, Beratung und Literatur

War in den ersten Kinderjahren echt hilfreich.

Dazu ergänzend noch Bücher zum Thema von der Verbraucherzentrale und der Stiftung Warentest.

Mein Mann und ich sind übergewichtig, unsere Kinder 14 und 18 nicht.